Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

SprInt eG, Wuppertal

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Bereits jeder fünfte Mitbürger hat einen Migrationshintergrund. Und jeder dritte Migrant hat Verständigungsprobleme in der deutschen Sprache. Eine Wuppertaler Genossenschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Integration dieser Menschen zu erleichtern.

„Damit Integration gelingen kann, ist es die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft, den Zugewanderten Möglichkeiten zur Teilhabe und Zugang zu Arbeit und Bildung zu verschaffen. Sprachbarrieren sind da oft das größte Hindernis“, beschreibt Achim Pohlmann, einer der beiden geschäftsführenden Vorstände der SprInt gemeinnützige eG, die Situation.

Vor allem im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen bestehen oft sehr komplexe interkulturelle Kommunikationskontexte. Verständigungsprobleme führen hier schnell zur Fehlallokation von Leistungen, zu Beratungsfehlern und schließlich zu Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Helfen kann der Einsatz von speziell ausgebildeten und zertifizierten Sprach- und Integrationsmittlern (SprInts). Mehr als 450 Behörden und Einrichtungen nutzen bereits die Dienste von SprInts – darunter neben öffentlichen Verwaltungen, Arbeits- und Gesundheitsämtern beispielsweise auch Jugendhilfeeinrichtungen, Kliniken, Schulen oder Gerichte.

Die Aufgaben der SprInts gehen weit über das klassische Dolmetschen hinaus. SprInts erläutern Inhalte und vermitteln Hintergrundinformationen in beide Richtungen. Sie verfügen nicht nur über fundierte Sprachkenntnisse, sondern auch über Fachwissen aus den Bereichen Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen, sowie über medizinische, psychosoziale und rechtliche Kenntnisse. Zudem sind sie eng vertraut mit der Kultur des Herkunftslands und können daher auch in soziokulturell sensiblen Themen wie Erziehungs- oder Geschlechterfragen kompetent vermitteln.

Professionelle Betreiberstruktur
Entwickelt wurde die Dienstleistung der Sprach- und Integrationsmittlung bereits vor 13 Jahren von der Diakonie Wuppertal – unterstützt durch europäische Fördermittel und in enger Abstimmung mit verschiedenen Hochschulen. Als das Projekt in den vergangenen Jahren immer größer und erfolgreicher wurde, suchte man nach einer professionellen und dauerhaften Betreiberstruktur, die eine bundesweite Ausweitung und finanzielle Unabhängigkeit von Trägerorganisationen und Fördertöpfen ermöglicht. So wurde im Dezember 2015 die SprInt gemeinnützige eG ins Leben gerufen.

Von der Rechtsform der Genossenschaft waren die Initiatoren schnell überzeugt. Zum einen aufgrund der Sicherheit durch die professionelle Organisationsstruktur und die enge Begleitung durch den Genossenschaftsverband. Zum anderen überzeugte vor allem der genossenschaftliche Gemeinschaftsgedanke. „Wir haben in der SprInt-Ausbildung in einer Klasse manchmal Menschen aus 20 Nationen. Da ist es sehr wichtig, Solidarität und Verantwortungsgefühl zu stärken“, beschreibt Pohlmann.

Alle SprInts zeichnen einen Geschäftsanteil in Höhe von 300 Euro und sind damit gleichzeitig Mitglieder und Angestellte der Genossenschaft. Pohlmann betont: „Dieses Gefühl, für das eigene Unternehmen zu arbeiten und selbst Verantwortung zu tragen, kommt bei unseren Mitarbeitern sehr gut an.“

Die eG zahlt ihnen ein fixes Grundgehalt sowie zusätzliche umsatzabhängige Provisionen. „Uns ist es wichtig, für unsere SprInts sichere und armutsfeste Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Durch die Provisionen ist zudem jeder für seinen finanziellen Erfolg selbst mitverantwortlich. Das wird als sehr gerecht empfunden und schafft Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen“, so Pohlmann.

Hohe Qualität und Professionalität
Die Genossenschaft übernimmt neben der Vermittlung auch die Qualifikation der Mittler. Die SprInt-Ausbildung dauert 18 Monate und wird nach bundesweit einheitlichen, hohen Qualitätsstandards durchgeführt. Das Curriculum wurde in Kooperation mit drei Hochschulen entwickelt und wird fortlaufend durch eine Qualitätssicherungskommission weiterentwickelt und an neue Bedarfe angepasst.

Der Unterricht vermittelt Inhalte aus 20 Fachgebieten, darunter beispielsweise Grundlagen des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesens, interkulturelle Kommunikation und Reflexionskompetenz. Im Rahmen mehrerer Praktika sammeln die Teilnehmer zudem intensive praktische Erfahrungen in den verschiedenen Bereichen.

Die Ausbildung endet mit einer standardisierten Abschlussprüfung, die von den drei beteiligten Hochschulen abgenommen wird. Durch regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen sorgt die SprInt eG zudem auch nach Abschluss der Ausbildung für ein stets aktuelles Fachwissen ihrer Mittler.

Die Kunden schätzen neben diesem Fachwissen vor allem die Professionalität und die Verlässlichkeit der SprInts sowie die Möglichkeit der flexiblen und bedarfsgerechten Buchung. „Keine Einrichtung könnte es finanzieren, ausgebildete Mittler für alle geforderten Sprachen und Situationen selbst einzustellen“, weiß Pohlmann.

Die Kontinuität der eingesetzten Mittler schafft zudem eine Vertrauensbasis, die in vielen Situationen unabdingbar ist: „In den vergangenen Monaten sind sehr viele schwer traumatisierte Flüchtlinge in Deutschland angekommen. Eine Psychotherapie dieser Menschen wäre ohne Begleitung eines professionellen Mittlers gar nicht möglich,“ so Pohlmann.

Die Genossenschaft wächst derzeit schnell und es gibt Anfragen aus allen Regionen Deutschlands. Gegründet wurde die eG mit zehn Mitgliedern, aktuell sind es 39, Ende des Jahres 2017 sollen es bereits 100 sein. „Nicht nur durch die Flüchtlingskrise besteht aktuell ein riesiger Bedarf an unseren Leistungen. In Deutschland hat ein Umdenken eingesetzt. Es wird immer deutlicher, dass ein begleitender Verwandter oder ein hinzugerufener Kollege, der zufällig die gleiche Sprache spricht, nicht die gleiche Professionalität bieten kann wie ein ausgebildeter Mittler,“ unterstreicht Pohlmann

Die SprInt eG will ihr Leistungsangebot daher zukünftig in ganz Deutschland etablieren. Dabei sollen neue Geschäftsstellen unter dem Dach der eigenen eG entstehen, neue „Ableger-Genossenschaften“ gegründet und auch Kooperationen außerhalb des Genossenschaftsverbunds eingegangen werden.

Grundlage des bundesweiten Angebots ist ein gemeinsames Qualitätsverständnis. „Unser Alleinstellungsmerkmal: SprInt-Dienstleistungen werden an allen Standorten in gleichbleibend hoher Qualität von zertifizierten Mittlern angeboten“, betont Pohlmann. Für dieses Ziel koordiniert und moderiert die SprInt eG das seit zehn Jahren bestehende Bundesnetzwerk SprInt, moderiert kommunale Prozesse und unterstützt Interessenten überall in Deutschland bei der Durchführung von SprInt-Qualifizierungsmaßnahmen, der Entwicklung von Finanzierungsmodellen oder dem Aufbau von lokalen SprInt-Vermittlungspools.

Für das schnelle Wachstum und die Unabhängigkeit von Fördergeldern wird frisches Kapital benötigt. Zahlreiche Institutionen und prominente Persönlichkeiten – darunter auch die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth – unterstützen die Genossenschaft bereits als Fördermitglied oder mit Spenden.

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