
Bildnachweis: Stadtrevue-Verlagsgenossenschaft eG, bearbeitet von genossenschaften.de
Genossenschaftlicher Lokaljournalismus
Wie viele Verlage und Printmedien stand auch die Kölner Stadtrevue in den vergangenen Jahren unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Sinkende Anzeigenerlöse und steigende Papierkosten setzten dem Verlag zunehmend zu. Für einige Mitarbeitende war jedoch klar, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen nicht das Ende des traditionsreichen Verlags und des gleichnamigen Stadtmagazins bedeuten durften. Sie suchten nach einer Lösung, die sowohl den Fortbestand des Verlags als auch seine redaktionelle Unabhängigkeit sichern würde. Die Antwort fanden sie in der genossenschaftlichen Rechtsform.
Medienkollektiv für Köln
Seit 1976 steht die Stadtrevue für unabhängigen Lokaljournalismus in Köln. Der Verlag gibt das gleichnamige Stadtmagazin „Stadtrevue“, das Studierendenmagazin „Alma“ heraus und engagiert sich als Mitorganisator der Museumsnacht Köln. Jahrzehntelang arbeiteten die rund 20 Beschäftigten in einer selbstverwalteten GmbH als Kollektiv mit Einheitslöhnen und gemeinsamer Verantwortung. Doch die Herausforderungen der sich wandelnden Medienbranche zwangen das Unternehmen zum Umdenken.
Den entscheidenden Impuls für eine zukunftsfähige Perspektive bekam das Gründungsteam durch ein prominentes Vorbild: die genossenschaftlich organisierte Berliner Tageszeitung taz. Darin sahen die Gründer:innen ein Beispiel dafür, wie journalistische Unabhängigkeit, demokratische Teilhabe und wirtschaftlicher Erfolg sich miteinander verbinden ließen.
Gemeinsam arbeiteten sie sich in die Anforderungen einer Genossenschaftsgründung ein. Parallel dazu musste der laufende Verlagsbetrieb organisiert und die wirtschaftlich angeschlagene GmbH abgewickelt werden.
„Das war schon ein enormer Kraftakt für uns alle“, gibt Daniel Postrak, Grafiker und Vorstandsmitglied bei der Stadtrevue, rückblickend zu.
Seit Januar 2026 führt das dreiköpfige Team die Stadtrevue nun als Verlagsgenossenschaft weiter.
„Die Genossenschaft passte zu dem, was wir ohnehin schon gelebt haben“, so die Redakteurin und heutiges Vorstandsmitglied Philippa Schindler.
Für die Mitarbeitenden war die Genossenschaft nicht nur ein Mittel zum Zweck für die Finanzierung, sondern die passende Rechtsform für ihrer bisherige Arbeitsweise. Entscheidungen wurden bereits zuvor gemeinschaftlich getroffen. Sämtliche Beschäftigten des Verlags sind Mitglieder der Genossenschaft und verfügen über ein gleichberechtigtes Mitspracherecht – unabhängig von der Höhe ihrer Kapitalbeteiligung. Eine Mitarbeit bei der Stadtrevue ist aber keine Voraussetzung, um Mitglied der Genossenschaft zu werden. Jede und jeder, die oder der den unabhängigen Journalismus des Verlags fördern möchte, kann Genossenschaftsanteile erwerben. Die Mitglieder bringen sich in die Diskussion über die Zukunft des lokalen Journalismus ein, erhalten in den Generalversammlungen Einblicke in die Geschäfte des Verlags und sichern dessen Unabhängigkeit.
„Bei all unseren Überlegungen war es uns sehr wichtig, konzernunabhängig als Verlag und Medienschaffende zu bleiben und die demokratischen Prinzipien unseres bisherigen Kollektivs zu bewahren“, erklärt Redakteur und Vorstandsmitglied Felix Klopotek.
Modell für einen unabhängigen Kulturbetrieb
Für die Stadtrevue bringt die Umwandlung in eine Genossenschaft weit mehr als die Bewältigung einer wirtschaftlichen Krise. Das eingebrachte Kapital schafft Spielräume für die Modernisierung und Weiterentwicklung des Verlags.
„Mit dem Kapital der Genossenschaft haben wir nun die Möglichkeit, unseren Verlag aus der vorläufigen Insolvenz herauszulösen“, so Daniel Postrak. Zugleich könne die Stadtrevue verstärkt in Zukunftsthemen investieren, insbesondere in die Digitalisierung ihrer Angebote.
Die Stadtrevue-Verlagsgenossenschaft eG zeigt, wie das genossenschaftliche Modell gerade für unabhängige Medien eine attraktive Perspektive sein kann. Neben dem Zugang zu Kapital bei gleichzeitiger journalistischer Unabhängigkeit, bietet es die Möglichkeit, die Bindung und den Austausch zwischen dem Unternehmen, seinen Mitarbeitenden und der Leserschaft zu stärken.
So übertraf auch die Resonanz auf die Gründung die Erwartungen der Vorstände deutlich. Bereits zum Start gewann die Genossenschaft knapp 250 Mitglieder, die zusammen mehr als 600 Anteile zeichneten. Mit dieser Rückendeckung will der Verlag künftig will seine Angebote für die Öffentlichkeit weiter ausbauen, zum Beispiel durch Kooperationen.
„Wir arbeiten an den unterschiedlichsten, auch übergreifenden Themen, die Köln betreffen“, erklärt Philippa Schindler. „Das können kommunalpolitische, gesellschaftliche wie auch kulturelle Themen sein. Wir können uns vorstellen, diese auch in Podiumsdiskussionen zu intensivieren oder auch Führungen zu unseren Titelthemen anzubieten.“
Bei allen Formaten stehe dabei der gut recherchierten Lokaljournalismus im Zentrum, den die Kölner:innern seit jeher an der Stadtrevue schätzen.
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