
Bildnachweis: Tour Konzept eG, bearbeitet von genossenschaften.de
Die Genossenschaft für Natur- und Aktivtourismus
Wie entsteht eine attraktive Wander- oder Radroute? Wie gelingt es, Naturerlebnis, touristische Wertschöpfung und Naturschutz miteinander zu verbinden? Und wie entwickelt man Projekte, die am Ende nicht nur auf dem Papier gut aussehen, sondern tatsächlich umgesetzt werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Tour Konzept eG aus dem Schwarzwald seit vielen Jahren. Die Genossenschaft begleitet Kommunen, Landkreise, Naturparke und Tourismusorganisationen bei der Entwicklung touristischer Angebote und setzt dabei bewusst auf eine Rechtsform, die Verbindlichkeit und Freiheit verbindet: die Genossenschaft.
Flexibel und auf Augenhöhe zusammenarbeiten
Die Wurzeln der heutigen Tour Konzept eG liegen in der Thomas Wöhrstein Tourismusberatung, die bereits auf über 30 Jahre Erfahrung im Natur- und Aktivtourismus zurückblicken kann. Als Thomas Wöhrstein sich aus Altersgründen aus dem laufenden Geschäft zurückzog, übernahmen zwei der Freiberufler:innen, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitete 2011 den Kundenstamm sowie die laufenden Projekte des Büros. Als die Aufträge, die Kapazitäten von Andrea Wagner und Peter Schwarzmeier und ihren Teams überstiegen, stellten sie sich die grundlegende Frage: Wie wollen wir künftig zusammenarbeiten? Denn das eine geeignetere Organisationsform gewählt werden muss, war allen bewusst. Mit Peter Altnow holten sie einen weiteren Spezialisten an Bord, der sich gleichzeitig als drittes Gründungsmitglied für die genossenschaftliche Rechtsform begeistern ließ. Die Gründung erfolgte durch Bareinlagen der drei Gründungsmitglieder, dabei wurde das Hauptkapital durch die beiden Freiberufler:innen eingebracht. Anders als bei anderen Gründungen stand dabei kein Mangel an Angeboten oder Infrastruktur im Vordergrund. Die Kolleg:innen suchten vielmehr eine Organisationsform, die zu einem Team aus unterschiedlichen Spezialist:innen passt. Die Antwort fanden das Dreiergespann in der Genossenschaft:
„Am Anfang stand kein Problem, das gelöst werden musste, sondern die Frage: Wie wollen wir eigentlich zusammenarbeiten?“, beschreibt Vorständin Friederike Gaß die Entstehungsgeschichte.
2014 wurde das Unternehmen in die Tour Konzept eG umgewandelt und sei seither flexibel genug für ein Team aus Spezialist:innen, verlässlich genug für alle Beteiligten und geeignet, gemeinsam auf Augenhöhe zu arbeiten, so Gaß. Die Genossenschaft erfüllte alle drei Anforderungen – und trägt bis heute.
Mittlerweile besteht die Tour Konzept eG aus elf Mitgliedern. Zwei von ihnen sind fest angestellt, die übrigen arbeiten freiberuflich. Die Organisation verbindet klare Verantwortlichkeiten mit gelebter Mitbestimmung. Friederike Gaß führt die Genossenschaft als alleinige Vorständin, unterstützt von Prokuristin und kaufmännischer Leiterin Kathrin Bock. Die Projektleitungen verantworten ihre jeweiligen Vorhaben eigenständig, während grundlegende Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.
„Bei uns gibt es klare Rollen und gelebte Verantwortung, aber keinen Big Boss“, sagt Gaß.
Für die Rechtsform Genossenschaft sprachen aus Sicht der Mitglieder noch weitere Vorteile: Das Unternehmen bleibt offen für neue Kolleg:innen, ohne dass bestehende Mitglieder Anteile verkaufen müssen. Das erleichtert auch die langfristige Nachfolgeplanung. Gleichzeitig schafft die Genossenschaft verbindliche Strukturen. Die Satzung, gemeinsame Abrechnung und klare Zuständigkeiten sorgen für Stabilität, die ein loses Netzwerk freiberuflicher Experti:nnen nicht bieten könnte. Akquise, Verträge, Verwaltung und Abrechnung werden zentral organisiert. Dadurch können auch größere Projekte übernommen werden, die einzelne Freiberufler:innen allein nicht stemmen könnten. Fällt jemand aus, springen andere Teammitglieder ein. Gleichzeitig bleiben die Mitglieder flexibel und können ihren Wohnort frei wählen.
Beratung, Planung und Gestaltung – aus einer Hand
Die Tour Konzept eG begleitet touristische Projekte von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Die Genossenschaft versteht sich dabei als Denkfabrik, Wegeschmiede und Designwerkstatt zugleich: Zu ihren Leistungen gehören Tourismusberatung, Destinationsentwicklung, die Planung von Rad- und Wanderwegen sowie die Gestaltung von Erlebnisangeboten und touristischer Infrastruktur.
Das Besondere: Strategie, Planung und Gestaltung kommen aus einer Hand. Dadurch entstehen Lösungen, die von Beginn an auf ihre praktische Umsetzung ausgerichtet sind.
„Wer die Umsetzung selbst verantwortet, plant von Anfang an anders“, lautet die Überzeugung des Teams.
Nachhaltigen Tourismus fördern und gestalten
Zu den Projekten der Genossenschaft zählen unter anderem der Kinzigtalsteig, der Albsteig Schwarzwald, die Freizeitkonzeption für den Stuttgarter Wald, die Erlebnisinszenierung entlang der Hermannshöhen sowie der Tarodunumweg im Dreisamtal. Die Genossenschaft denkt Umsetzung, Folgekosten und langfristige Pflege bereits in der Planungsphase mit. Darüber hinaus legt sie großen Wert auf die regionale Beteiligung:
„Wir binden Akteure früh ein, von der politischen Ebene über Gastronomie und Vereine bis zu den Bürger:innen. So entsteht nicht nur ein Weg, sondern auch die Identifikation damit. Gut gelenkte Gäste bedeuten außerdem weniger Konflikte mit Naturschutz und Landwirtschaft und mehr Lebensqualität für die Einheimischen“, so Gaß.
Dazu kommt der eigene Anspruch der Genossenschaft, die Natur zu schützen.
„Trockenheit, Sturmschäden und Nutzungskonflikte im Wald verändern die Wegeplanung gerade grundlegend. Wir wollen nachhaltige Materialien konsequenter einsetzen und diesen Anspruch auch in unseren Konzepten verankern – nicht als Kapitel am Ende, sondern als Maßstab“, erklärt Gaß.
So entstehen nicht nur Wander- und Radwege, sondern Projekte, die dauerhaft einen nachhaltigen Schwarzwald-Tourismus schaffen.
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