
Bildnachweis: OGM-Studios eG, bearbeitet von genossenschaften.de
Die Studiogenossenschaft für Musik- und Soundproduktion
Trotz gut laufendem Geschäft standen die Betreiber der OGM-Studios in München im Frühjahr 2025 plötzlich vor einer existenziellen Bedrohung: Sie erfuhren, dass das Gebäude, in dem sie seit über zehn Jahren ansässig waren, abgerissen werden soll. Ein voll ausgestattetes Studio zu finden, erwies sich als schwierig, ein eigener Ausbau als zu kostspielig. Als sie tatsächlich ein vollausgebautes, verfügbares Studio fanden, war die Lösung ihres Problems in greifbarer Nähe, doch es war zu groß, um es allein wirtschaftlich zu betreiben. Die Lösung: der Zusammenschluss mit den benachbarten Video- und Podcastproduzenten, die ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Standort waren – und damit die Gründung einer Genossenschaft.
Neue Räume, neue Rechtsform
Mit dem Umzug in die neuen Räumlichkeiten und der damit verbundenen Kollaboration, standen die neuen Partner vor der Aufgabe, eine passende Unternehmensform zu finden. Nach eingängiger Recherche, wie sich gemeinschaftliches Wirtschaften in ihrer Konstellation am besten umsetzen lässt, fiel die Entscheidung der Gründungsmitglieder schließlich auf die genossenschaftliche Rechtsform. Die Studiogemeinschaft wurde zur ersten Studiogenossenschaft Bayerns. Alex Hartl, Tobias Schröckenbauer und Maxi Heller (OGM Studios),Niklas Gramann und Leo Gillhaus (ikone audio production) sowie Riccardo Schisano (Hertz Studio) arbeiten alle eigenständig und nutzen dabei die vonder enossenschaft ausgestatteten undund vermieteten Studioräume Der Zusammenschluss verbessert aber nicht nur die technischen Möglichkeiten und ermöglicht den wirtschaftlich tragfähigen Betrieb der Studios.
Ein Modell für nachhaltige Kreativwirtschaft
Die Genossenschaft wurde auch vor dem Hintergrund gegründet, dass viele Kreativschaffende häufig unter unsicheren Arbeitsbedingungen arbeiten: projektbasiert, mit schwankendem Einkommen und oft ohne langfristige Perspektive. Hinzu kommen klassische Agenturstrukturen, die wenig Mitbestimmung ermöglichen und kreative Prozesse stärker hierarchisch organisieren.
Dem kann die OGM-Studios eG etwas entgegensetzten. Das genossenschaftliche Prinzip zieht sich durch alle Schritte der Kreativarbeit und Produktion: Entscheidungen werden gemeinschaftlich getroffen, Verantwortung wird geteilt. Dadurch entsteht ein Arbeitsumfeld, das auf Transparenz, Vertrauen und langfristiger Zusammenarbeit basiert. Zudem ermöglicht es die Genossenschaft ihren Mitgliedern, unabhängig von kurzfristigen Marktzwängen zu agieren. Statt ständig neue Kund:innen akquirieren zu müssen, profitieren sie von einem gemeinsamen Netzwerk und wiederkehrenden Kooperationen. Gleichzeitig behalten sie ihre individuelle Handschrift und kreative Eigenständigkeit. Denn die Mitglieder haben weiterhin ihre eigenen Aufträge und Kund:innen und können frei über mögliche Kooperationen entscheiden.
Inhaltlich deckt die OGM-Studios eG ein breites Spektrum ab: von Image- und Dokumentarfilmen über Social-Media-Content bis hin zu Musikproduktion und künstlerischen Formaten. Auftraggeber sind Unternehmen, Institutionen sowie Kunst- und Kulturschaffende.
Neben der Projektarbeit spielt auch der interne Austausch eine zentrale Rolle. Die Mitglieder profitieren voneinander, entwickeln sich gemeinsam weiter und schaffen ein Netzwerk, das über einzelne Aufträge und kommerzielle Ziele hinausgeht. Diese Struktur stärkt nicht nur die einzelnen Kreativen, sondern die Münchener Musik- und Kulturszene als Ganzes.
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