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Der Berliner Fashion Hub für eine zukunftsfähige Modewirtschaft
In der deutschen Klimaschutzdebatte spielt die Modeindustrie bisher kaum eine Rolle. Doch die Branche zählt zu den großen Verursachern von CO₂, denn bei der Herstellung und dem Transport von Kleidung fallen weltweit hohe Emissionen an. Fast alle Produktionsschritte sind nach wie vor stark von fossilen Energien abhängig. Zugleich fördern starre Geschäftsmodelle Überproduktion und befeuern eine globale Wegwerfmentalität. Die VORN eG will das ändern. Seit 2022 bringt die Genossenschaft Akteur:innen der Mode- und Textilwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette gleichberechtigt zusammen, um gemeinsame Lösungen für eine nachhaltige und zirkuläre Modeindustrie zu entwickeln. Mit dem VORN Hub hat sie dafür einen zentralen Ort geschaffen, an dem Kreative, Start-ups und Unternehmen branchenübergreifend kooperieren und neue Impulse für die Transformation der Branche setzen.
Plattform für Innovation und nachhaltige Mode
Als sich 2022 drei Berliner Unternehmen an der Schnittstelle von Mode, Kultur und Textilwirtschaft zusammenschlossen, um die VORN eG zu gründen, verband sie die gemeinsame Überzeugung, Konventionelle Mode durch eine ressourcenschonende, umweltfreundliche und dennoch wirtschaftlich tragfähige Alternative ersetzen zu können. Ihre Idee war ein Fashion Hub: ein physischer und digitaler Raum im Herzen Berlins, in dem Innovationen für eine nachhaltige Entwicklung der Modeindustrie gemeinschaftlich gestaltet, kommuniziert und umgesetzt werden.
„Die Kreislaufwirtschaft ist hochgradig komplex. Kein einzelner Akteur kann allein alle notwendigen Schritte bewältigen. Jede Phase der Wertschöpfung bringt eigene Herausforderungen, Anforderungen und Spezialkenntnisse mit sich. Genau deshalb braucht es Kooperation, offene Strukturen und Orte, an denen unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen,“ erklärt Marte Hentschel, Mitgründerin und Co-CEO der VORN eG.
Auf der Suche nach einer geeigneten Organisationsstruktur entschied sich das Gründungsteam bewusst für die genossenschaftliche Rechtsform – ein Schritt, der in der Modebranche ungewöhnlich, aber folgerichtig war:
„In unserer Branche war die genossenschaftliche Rechtsform weitgehend unbekannt – wir mussten sie vielen erst erklären. Trotzdem haben wir uns nach reiflicher Überlegung 2022 bewusst dafür entschieden. Die Genossenschaft passt zu unserem gemeinschaftlichen Ansatz und steht für Ernsthaftigkeit: Unsere Mitglieder gehen mit ins Risiko und zeigen echtes Commitment. Das war uns wichtig und auch unsere Stakeholder vertrauen genau darauf“, sagt Hentschel.
Damit schafft die VORN eG einen gemeinschaftlich getragenen Rahmen, der sowohl wirtschaftliche Tragfähigkeit als auch ökologische Verantwortung verbindet. Die Genossenschaft wird derzeit von sechs Mitgliedern getragen. Darüber hinaus vereint der VORN-Hub eine vielfältige Community aus Mode‑ und Textilmarken, Start‑ups, NGOs, Forschungseinrichtungen, Materialinnovator:innen und Dienstleister:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
„Über 350 Organisationen sind Teil der VORN-Community. Sie alle wollten eine nachhaltige Transformation der Textilwirtschaft mitgestalten“, sagt Hentschel.
Diese Community bildet das Rückgrat des Hubs und trägt maßgeblich zur Entwicklung neuer nachhaltiger Lösungen bei.
Die drei Säulen der VORN eG
Das Geschäftsmodell der VORN eG fußt auf drei Säulen – drei Programme, die einerseits unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Akteure erfüllen, andererseits entlang der ganzen Wertschöpfungskette ausgerichtet sind:
- Community Services: Netzwerk- Austausch- und Weiterbildungsformate für die Mode- und Textilbranche
- Innovation Lab: ein Raum für Prototyping, Forschung und Entwicklung mithilfe innovativer Technologien
- Community Space: ein kreativer Ort für Kooperation Designer:innen, Start-ups und Unternehmen mit Co-Working, Event- und Vertriebsflächen im Bikini Berlin
Mit dieser Struktur schafft die Genossenschaft einen Marktplatz für kuratierte Dienstleistungen und ermöglicht eine enge Verbindung zwischen Kreativität, Wirtschaft und Technologie.
„Wir bieten eine Multifunktionsfläche mit Workshops, Seminaren, Produktpräsentationen – und darüber hinaus einen schönen Ort, an den die Leute gerne kommen: Es kommen Delegationen, politische Akteure, die mehr über Kreislaufwirtschaft und die Zukunft der Mode lernen wollen“, erklärt Hentschel die Breitenwirkung des Hubs.
Diese Schnittstellenfunktion zwischen Endverbaucher:innen, Politik und Industrie, ist sowohl wichtig, um Aufmerksamkeit für das Thema zu erzeugen, als auch für die Produktentwicklung.
„Gerade bei technischen Lösungen ist es entscheidend, früh mit den Nutzerinnen und Nutzern in Kontakt zu kommen – und genau das können wir hier direkt testen,“ erläutert Hentschel.
Leuchtturmprojekt für digitale und kreislauforientierte Produktion
Ein Beispiel dafür ist das Projekt „SHIFT – The Microfactory“. Die „Mikrofabrik“ im Hub verbindet moderne Strickmaschinen und Garnrecycling mit digitalen Entwicklungsprozessen und Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Sie liefert eine flexible und ressourcenschonende Fertigungsumgebung, die zunächst für kleine Serien und experimentelle Projekte geeignet ist. Ein praktischer Testlauf für bedarfsgerechte Herstellung von Textilien – und somit ein wichtiger Beitrag für weniger Überproduktion und Umweltbelastungen.
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